Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasser- und Schifffahrtsamt Bremen

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Inhalt: Die ersten Jahre und sein Wirken für Preußen

Ludwig Franzius wurde am 1. März 1832 als drittes Kind des damaligen Amtsassessors Carl Egbert Franzius in Wittmund geboren. In Ostfriesland war die Familie Franzius schon seit Ende des 16. Jahrhunderts ansässig und mit angesehenen Geschlechtern verwandt. Der Großvater Johann Niclas Franzius stand als Domänenrat und Wasserbaudirektor im Kampf mit den Gewalten des Meeres. Die furchtbare Sturmflut von 1825, die die Nordseeküste verheerte, zerbrach seine Kraft und vernichtete den Wohlstand der Familie. Er starb im gleichen Jahre. Die Schulzeit verbrachte Ludwig Franzius in Aurich. Sein Interesse galt den alten Sprachen, der Naturbeobachtung und dem Zeichnen. Hierin konnte ihm das Gymnasium in Aurich, wie er in seinen Lebenserinnerungen berichtet, nur wenig mitgeben.

Mit 16 Jahren ging Franzius zur polytechnischen Schule - der heutigen Technischen Universität - nach Hannover und studierte Architektur und Ingenieurbauwesen, deren Grundlagen damals gemeinsam gelehrt wurden. Nach zwei Jahren entschied er sich für den Wasserbau und bereits nach vier Jahren, im März 1853, unterzog er sich der ersten Staatsprüfung, die er mit "recht gut" bestand. Der gute Abschluss verschaffte ihm den Vorzug, dem tüchtigsten hannoverschen Baubeamten, dem Baurat Blohm in Harburg, zugewiesen zu werden. Der Winter 1854/55 brachte der Elbe schwere Hochwasser, die zu Deichbrüchen führten; Eisversetzungen folgten. Franzius hatte mehrere hundert Mann zu kommandieren, um die Deichbrüche notdürftig zu schließen. Es zeigten sich zum ersten Male seine Fähigkeiten, technische Mittel sinnvoll einzusetzen, Menschen zum Handeln zu bewegen und den gefassten Entschluss energisch durchzuführen.

Seine künstlerische Begabung verschaffte ihm den Zutritt zu mancher Harburger Familie, wo er als Porträtist geschätzt war. So lernte er die Familie Uslar kennen, deren Mitglieder er der Reihe nach zeichnete und mit deren Tochter Marie er sich 1855 verlobte - mit der eigenartigen dienstlichen Folge, dass er unverzüglich nach Neuhaus versetzt wurde, wo ein strenges Regiment herrschte. Nach weiterer dienstlicher Bewährung wurde Franzius 1859 in die Generaldirektion des Wasserbaus in Hannover zurückberufen, legte dort seine 2. Staatsprüfung als bester unter acht Bewerbern ab und wurde als Wasserbaukondukteur - was dem heutigen Bauassessor entspricht - eingestellt. Obwohl das Gehalt mit 650 Talern jährlich recht bescheiden war, genügte es Franzius und seiner jungen Braut zur Gründung eines glücklichen Hausstandes.

Ludwig Franzius um 1859

Ludwig Franzius 1859l

Bauakademie Berlin
An der Bauakademie in Berlin lehrte Ludwig Franzius Wasserbau


Franzius ließ sich aber nicht lange in der Direktion halten, es drängte ihn in die Baupraxis, und so wurde er auf seine dringende Bitte hin nach Papenburg versetzt, wo er die Leitung des von ihm selbst entworfenen Schleusenbaus und der damit verbundenen Ems-Regulierung übernahm. Hier erlangte er nicht nur die Sicherheit in der Baupraxis, die ihm bisher gefehlt hatte, sondern wurde zum zweiten Male mit Sturmfluten und Deichbrüchen konfrontiert. Nach kurzem Aufenthalt in Osnabrück, wo er Leiter der neu eingerichteten Wasserbauinspektion war, kehrte er zur Generaldirektion Hannover als Hilfsreferent und Bauinspektor (heute Baurat) zurück. Er fand in der Generaldirektion Förderer, die ihn anregten, sich schriftstellerisch zu betätigen. So entstand eine Reihe von Veröffentlichungen über Bauausführungen im Königreich Hannover - darunter auch über die Schleuse Papenburg, die ihn weithin bekannt machten.

Der Krieg von 1866 brachte das Ende des Königreichs Hannover und die Übernahme der Regierung durch Preußen. In der ostfriesischen Familie Franzius war die Zuneigung zu Preußen dank der jahrzehntelangen wohlwollenden Regierung erhalten geblieben und so fiel es Ludwig Franzius nicht schwer, sich zu entscheiden.
Im gleichen Jahr wurde ihm die Frage vorgelegt, ob er den freigewordenen Lehrstuhl für Wasserbau an der Bauakademie - der heutigen Technischen Universität - in Berlin übernehmen und dazu Hilfsreferent in der Bauabteilung des Ministers für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten werden wolle. Franzius nahm an, unbedachterweise ohne den Versuch zu machen, die Zukunftsaussichten der Ministerialstellung zu erkunden - was er später bereuen sollte.

Franzius hat den Wechsel nach Berlin als einen der bedeutendsten Wechselpunkte seines Lebens bezeichnet. Es begann für ihn eine Zeit äußerster körperlicher und geistiger Anstrengung vom frühen Morgen bis in die späte Nacht. Franzius war ein beliebter Lehrer. "Wenn auch sein Vortrag nicht glänzend und besonders fließend genannt werden konnte - er sprach nämlich frei, ohne vorzulesen, so war er jedoch ungemein anregend, weil er stets das Hauptsächliche hervorhob ... Franzius trat zu seinen Schülern gern in persönliche Beziehungen und war stets bereit, Anfragen zu beantworten, Aufklärungen und Anregungen zu geben, so dass er stets von einem begeisterten Kreis von Schülern umgeben war" soweit der Bericht eines Studenten.

In der preußischen Wasserbauverwaltung erkannte Franzius bald manche Mängel, die er "auf die fehlende Zusammenfassung der im einzelnen vortrefflichen Kräfte sowie auf den Mangel an Mut leitender Männer, sich gegen Widerstände durchzusetzen", zurückführte. Politische Einflüsse mischten sich oft ohne Sachverstand ein und verzögerten oder hintertrieben die Durchführung wichtiger Bauvorhaben, so zum Beispiel der Rhein-Regulierung im Rheingau. Franzius hatte sich das große Ziel gesetzt, eine leitende Stellung im Ministerium mit der eines Lehrers für den Wasserbau zu verbinden. Beide Tätigkeiten sollten sich gegenseitig befruchten, zu einem Höchstmaß an Wirkung führen und letzten Endes die Stellung des Wasserbaus im Ministerium verbessern. Zahlreiche Auslandsreisen, so zur Eröffnung des Suez-Kanals, zur Wiener Weltausstellung, nach Frankreich, Italien, England, Holland und in die Schweiz erweiterten und schärften seinen Blick.

Obwohl Franzius mittlerweile ein prominenter Vertreter seines Faches und weit über die Grenzen der Reichshauptstadt hinaus bekannt geworden war, wurde ihm eine herbe Enttäuschung zuteil. Trotz seines unermüdlichen Einsatzes wurde er 1872 bei einer Beförderung übergangen, auf die er mit Recht gehofft hatte. Bremen hatte schon damals ein Auge auf ihn geworfen und bot ihm eine seiner drei Baudirektorenstellen an. Franzius lehnte ab, aber als er bei einer zweiten Beförderung offensichtlich wieder übergangen wurde, fand der bremische Senator und spätere Bürgermeister Dr. Pfeiffer ein offenes Ohr bei ihm. Die Organisation der bremischen Bauverwaltung war inzwischen so geändert worden, dass ein einziger Oberbaudirektor an der Spitze des Staatsbauwesens stehen sollte. Anfang 1875 nahm Franzius das bremische Angebot an. Das rief im preußischen Ministerium lebhafte Bemühungen hervor, ihn zum Bleiben zu bewegen, die aber vergeblich blieben.