Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasser- und Schifffahrtsamt Bremen

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Inhalt: Die ersten Jahre in Bremen

Am 1. April 1875 trat Franzius die Stelle an, auf der sein Name Weltgeltung erlangen sollte. Er ahnte wohl, dass er in völlig fremden Verhältnissen neu anfangen und neu um Vertrauen werben müsse. Er war sich wohl auch bewusst, dass zwischen dem bürokratischmonarchischen preußischen Staatswesen und dem liberalen republikanischen Staatswesen Bremens große Unterschiede sein würden. Neben der Genugtuung, die ihm der Ruf Bremens im Augenblick seiner tiefen Enttäuschung gebracht hatte, war es die Aussicht auf eine freie, selbstständige Stellung, die ihn lockte, und die Hoffnung, ein großes Werk zu schaffen, wobei ihm vielleicht wohl schon die Korrektion der Unterweser vorschwebte. Das großzügige Gehalt, das ihm Bremen aussetzte, war für die siebenköpfige Familie Franzius, die bisher in bescheidenen Verhältnissen gelebt hatte, auch nicht zu verachten.

Ludwig Franzius   Marie Franzius

Das Ehepaar Franzius 1875

Zunächst galt es aber, sich mit organisatorischen Fragen zu befassen und die Neuordnung des Verdingungswesens, die die bisherige freie Vergabe ersetzen sollte sowie die Revision der Baurechnung einzuführen. Beides war nicht geeignet, ihm Freude zu schaffen. So waren die ersten Jahre enttäuschend. In anderen deutschen Großstädten, aus denen Franzius verlockende Angebote erhalten hatte, war es selbstverständlich, dass der erste Baubeamte Mitglied des Magistrats war. In Bremen fand Franzius die Deputationen - eine der bremischen Verfassung eigene, aus dem Mittelalter stammende Mischung von Legislative und Exekutive - mit dem sie beherrschenden Laienregiment vor, wo der Blick auf Augenblickserfolge gerichtet war und das langfristige systematische Handeln oft zu kurz kam. Hier hatte Franzius nur beratende Stimme, auch dass er als erster Baubeamter nur in der vierten Klasse der Bürgerschaft wählen durfte, kränkte ihn, weniger aus verletzter Eitelkeit, sondern weil seiner Stellung der notwendige Rückhalt fehlte.

Der Winter 1880/81 brachte den Tiefpunkt; er wurde, wie Franzius sagte, die traurigste Episode seines Lebens. Mehrere schwere Hochwasser, die um Weihnachten einsetzten, ließen die Deiche brechen, brachten Überschwemmungen, verursachten im Flussbett der Weser tiefe Kolke und ließen eine Uferwand auf 400 Metern Länge einstürzen. Obwohl die Deiche jahrelang vernachlässigt worden waren und die bestehende enge Verbauung des Flussbetts im Stadtgebiet den Hochwasserquerschnitt gefährlich eingeschnürt hatte, wurden schwere Vorwürfe gegen Franzius laut, die ihren Höhepunkt erreichten, als zusammen mit dem Februar-Hochwasser eine Eisversetzung eintrat. Franzius beantragte gegen sich und seine Beamten eine Disziplinaruntersuchung; diese kam zu dem lakonischen und für den Antragsteller unefriedigenden Ergebnis "den Baubeamten könne keine weitere Schuld zugemessen werden, als die von den Laien erkannte Gefahr nicht rechtzeitig erkannt zu haben". Die Verbitterung, die Franzius empfand, war stark, und vielleicht hätte er Bremen den Rücken gekehrt, wenn nicht die neue große Aufgabe, die sein Lebenswerk werden sollte, ihn bereits gefesselt hätte. Die Unterweser, von der aus bereits vor 900 Jahren bremische Schiffe weit nach Norden in die skandinavischen Länder vorgedrungen waren und auf der im Mittelalter ein blühender Verkehr geherrscht hatte, war versandet und für die Schifffahrt unbrauchbar geworden. Der Versuch des 17. Jahrhunderts, durch die Anlage eines Vorhafens in dem 17 Kilometer unterhalb gelegenen Vegesack die Schifffahrt wieder heranzuziehen, war misslungen. Der Bau von Bremerhaven war eine grandiose Leistung des frühen 19. Jahrhunderts, die Bremen seinem Bürgermeister Smidt zu verdanken hat. Aber auch der Hafen an der Mündung der Weser entband Bremen nicht davon, den Kampf um die Unterweser weiterzuführen. So war Bremen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in einer sehr schwierigen Situation und stand in der Gefahr, das Schicksal des mittelalterlichen Brügge zu erleiden. Die weserabwärts gelegenen Häfen waren nur zu gerne bereit, die Erbschaft Bremens anzutreten.

Vor dem Eintritt von Franzius in den bremischen Dienst waren auf bremische Anregung Verhandlungen zwischen Bremen, Oldenburg und Preußen eingeleitet worden, um eine Verbesserung der Schifffahrt zu erreichen. Sie führten jedoch zu keiner Einigung. Im Jahre 1874 beschloss der Bundesrat, durch Kommissare den Zustand des Fahrwassers untersuchen zu lassen, allerdings nur von Vegesack abwärts bis Bremerhaven. Es sollte ein Korrektionsplan aufgestellt und dem Bundesrat zur Beschlussfassung vorgelegt werden. Franzius befasste sich mit den inzwischen erarbeiteten Unterlagen und gelangte zu der für ihn unumstößlichen Meinung, dass die Korrektion bis zur Stadt Bremen ausgedehnt werden müsse. Der Senat ging auf Franzius Vorstellungen ein und genehmigte seinen Antrag auf Aufnahme in die Kommission. Beim Eintritt in die Kommission im Jahre 1878 legte Franzius bereits einen generellen Entwurf für die Korrektion der Unterweser vor, der die uneingeschränkte Zustimmung der anderen Kommissare fand. Franzius arbeitete dann den Entwurf in den Jahren 1878 bis 1881 unter Anspannung seiner ganzen Kräfte eingehend durch, wobei ihm als einziger Mitarbeiter der Ingenieur Zacherl zur Seite stand.

Altes Denkmal  Rückseite Denkmal

Das alte Denkmal zu Ehren Ludwig Franziusan der Großen Weserbrücke, abgebrochen 1959